
Blindverkostung als Familienspiel
Eine Augenbinde, ein paar Zutaten aus der Küche und plötzlich ist der Abendbrottisch der spannendste Ort des Tages. Blindverkostung ist ein Familienspiel, das nichts kostet, kaum Vorbereitung braucht und erstaunlich viel auslöst: Konzentration, Kommunikation, Lachen – und manchmal die Entdeckung, dass man Dinge doch mag, die man immer abgelehnt hat.
Wie Blindverkostung funktioniert
Das Grundprinzip ist einfach:
- Lebensmittel vorbereiten – in kleinen Stücken oder Portionen auf Tellern oder in Schüsselchen
- Die probende Person verbindet die Augen (oder hält sie fest geschlossen)
- Nacheinander werden die Proben gereicht – riechen, anfassen, kosten
- Die Person rät was es ist, wie es sich anfühlt, wie es schmeckt
- Auflösung – und dann Rollentausch
Das Spielprinzip funktioniert mit 2 Personen genauso wie mit einer ganzen Tischrunde.
Was wirklich passiert – die Sinne neu aktivieren
Essen ist normalerweise eine Mehrkanal-Erfahrung: Wir sehen was es ist, bevor wir es probieren – und das beeinflusst maßgeblich was wir schmecken. Der Anblick eines unbeliebten Gemüses aktiviert schon vor dem ersten Bissen die Ablehnung.
Ohne visuelle Information passiert etwas Interessantes: Das Gehirn verlässt sich auf Mund, Nase und Hände. Gerüche werden intensiver wahrgenommen. Die Textur wird wichtig. Und Geschmäcker, die sonst sofort abgelehnt würden, bekommen eine faire Chance.

Varianten für jedes Alter
Einfach (ab 3 Jahren): Das Fruchtspiel
4–6 verschiedene Früchte, in kleine Stücke geschnitten. Das Kind greift, riecht, kostet und rät. Kein Wettbewerb, kein Druck. Wer es mag spuckt nicht aus – wer es nicht mag darf auch ausspucken. Wichtig: das selbst entscheiden lassen.
Mittelschwer (ab 6 Jahren): Schmeckt oder schmeckt nicht
Mischung aus Bekanntem und Neuem: Apfelstücke, Käsewürfel, Gurke, Tomate, ein Stück Schokolade, ein Löffel Joghurt. Nach jedem Stück: Was ist das? Wie würdest du es beschreiben? Süß, sauer, salzig, bitter, umami – die fünf Grundgeschmäcker als spielerisches Thema einführen.
Anspruchsvoll (ab 8 Jahren): Die Gewürz-Runde
Kleine Schüsseln mit Gewürzen zum Erschnuppern: Zimt, Koriander, Paprika, Muskat, Thymian, Vanille. Kein Kosten nötig – nur Riechen und Raten. Wer kennt den Unterschied zwischen süßem und scharfem Paprika? Was riecht nach Weihnachten?
Für Picky Eater: Der neutrale Einstieg
Ausschließlich Dinge verwenden die das Kind grundsätzlich kennt und toleriert. Keine Tricks, keine versteckten Neuentdeckungen. Das Ziel hier ist nicht das Erweitern des Speiseplans, sondern das Erleben von Essen als spielerische Erfahrung. Das allein kann langfristig die Haltung verändern.

Praktische Tipps für die Umsetzung
- Wasser bereitstellen: Zwischen den Proben neutralisieren lassen – sonst überlagern sich Geschmäcker.
- Kein Zwang: Was das Kind nicht in den Mund nehmen mag, wird nicht erzwungen. Das Spiel endet sonst sofort.
- Kleine Portionen: Es reicht wirklich ein kleiner Bissen – kein ganzes Stück.
- Eigene Worte zulassen: „Schmeckt wie Sommer", „riecht wie Omas Küche" sind bessere Antworten als der richtige Name – und zeigen, dass das Kind wirklich nachdenkt.
- Auch Erwachsene mitmachen: Wenn Eltern ratlos sind und daneben liegen, macht das für Kinder das ganze Spiel doppelt so schön.
Nach dem Spiel – was bleibt
Blindverkostung ist kein pädagogisches Programm mit Lernziel. Es ist ein Spiel das nebenbei einiges bewirkt: Kinder reden über Essen, entwickeln Beschreibungen, machen Erfahrungen. Manchmal entsteht daraus Neugier aufs Kochen. Manchmal wird ein bisher abgelehntes Lebensmittel plötzlich interessant. Manchmal ist es einfach ein schöner Abend am Küchentisch.
Das reicht.
Häufige Fragen
Was ist eine Blindverkostung?
Ab welchem Alter funktioniert Blindverkostung?
Hilft Blindverkostung bei wählerischen Essern?
Was brauche ich für eine Blindverkostung?
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