Blindverkostung mit Kindern: Ideen & Tipps

Blindverkostung als Familienspiel

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Wir haben das Spiel spontan ausprobiert – mit einer gefalteten Küchenrolle als Augenbinde und dem, was gerade im Kühlschrank war. Mein Kind hat Tomate für Erdbeere gehalten und Joghurt für Sahne. Gelacht haben wir beide. Seitdem machen wir das regelmäßig.

Eine Augenbinde, ein paar Zutaten aus der Küche und plötzlich ist der Abendbrottisch der spannendste Ort des Tages. Blindverkostung ist ein Familienspiel, das nichts kostet, kaum Vorbereitung braucht und erstaunlich viel auslöst: Konzentration, Kommunikation, Lachen – und manchmal die Entdeckung, dass man Dinge doch mag, die man immer abgelehnt hat.

Was uns dabei überrascht hat: Es sind eigentlich zwei Spiele. Beim einen geht es ums Erraten, beim anderen ums Bewerten – und je nach Kind funktioniert mal das eine, mal das andere deutlich besser. Deshalb erklären wir hier beide nebeneinander.

Zwei Spiele mit Augenbinde – und der Unterschied ist wichtig

Bevor es losgeht, ein Punkt, der uns anfangs selbst nicht klar war: Unter „Blindverkostung“ laufen eigentlich zwei ziemlich verschiedene Spiele. Die Augenbinde ist dieselbe, das Material ist dasselbe – aber die Frage, die im Raum steht, ist eine andere. Und damit auch, was das Spiel bei deinem Kind auslöst.

Spiel 1: Die Blindverkostung – „Was ist das?“

Das ist die klassische Variante, ein Erkennungsspiel. Auf den Tellern liegen verschiedene Lebensmittel, und die Aufgabe lautet: benennen, was da gerade im Mund ist.

  1. Lebensmittel vorbereiten – in kleinen Stücken oder Portionen auf Tellern oder in Schüsselchen
  2. Die probende Person verbindet die Augen (oder hält sie fest geschlossen)
  3. Nacheinander werden die Proben gereicht – riechen, anfassen, kosten
  4. Die Person rät was es ist, wie es sich anfühlt, wie es schmeckt
  5. Auflösung – und dann Rollentausch

Hier gibt es richtig und falsch. Genau das macht den Reiz aus: die Spannung vor der Auflösung, das Gelächter bei danebenliegenden Antworten, der Stolz beim Treffer. Es schult Nase, Zunge und Wortschatz – und es kann, je nach Kind, auch ein bisschen wie eine Prüfung wirken.

Spiel 2: Der Blindtest – „Was schmeckt besser?“

Die zweite Variante fragt etwas völlig anderes. Auf den Tellern liegt dieselbe Sache in mehreren Ausführungen: drei Sorten Apfelsaft, vier Marken Vanillejoghurt, die Eigenmarke gegen das teure Markenprodukt. Niemand muss erraten, was es ist – alle wissen, dass es Apfelsaft ist. Die Frage lautet nur: Welcher ist dein Liebster?

  1. Ein Produkt aussuchen und drei bis fünf Varianten davon besorgen
  2. Alle Proben gleich vorbereiten: gleiches Geschirr, gleiche Menge, gleiche Temperatur
  3. Durchnummerieren – und zwar in zufälliger Reihenfolge, die nur die Spielleitung kennt
  4. Jede Person vergibt Punkte von 1 bis 10, ohne die Bewertungen der anderen zu sehen
  5. Punkte zusammenzählen, Rangliste bilden, erst dann die Verpackungen zeigen

Hier gibt es kein Falsch. Es gibt nur Geschmack – und ziemlich oft eine Überraschung, wenn die Verpackungen auf den Tisch kommen.

 Spiel 1: BlindverkostungSpiel 2: Blindtest
Die FrageWas ist das?Was schmeckt mir am besten?
Auf den Tellernverschiedene Lebensmitteldasselbe Produkt in Varianten
Ergebnisrichtig oder falscheine Rangliste, kein Falsch
Das Spannendedie Auflösungder Blick auf die Verpackungen
TrainiertRiechen, Schmecken, BenennenVergleichen, Begründen, eigene Meinung
Passt abca. 3 Jahrenca. 5–6 Jahren (Punkte vergeben)
Heikel fürKinder, die ungern raten oder verlierenkaum jemanden – jede Antwort gilt

Beides funktioniert mit zwei Personen genauso wie mit einer ganzen Tischrunde. Was wir aber gelernt haben: nicht in derselben Runde mischen. Sobald geraten werden muss, gehen die Punkte unter – und sobald Punkte vergeben werden, will keiner mehr raten. Lieber erst die eine Runde spielen, kurz aufräumen, dann die andere.

Und wenn du dich zwischen beiden entscheiden musst: Für ein Kind, das gern zeigt was es kann, ist Spiel 1 das größere Fest. Für ein wählerisches oder schnell frustriertes Kind ist Spiel 2 der bessere Einstieg, weil es dort schlicht nichts falsch machen kann. Es sagt seine Meinung – und die zählt genauso viel wie deine.

Was wirklich passiert – die Sinne neu aktivieren

Essen ist normalerweise eine Mehrkanal-Erfahrung: Wir sehen was es ist, bevor wir es probieren – und das beeinflusst maßgeblich was wir schmecken. Der Anblick eines unbeliebten Gemüses aktiviert schon vor dem ersten Bissen die Ablehnung.

Ohne visuelle Information passiert etwas Interessantes: Das Gehirn verlässt sich auf Mund, Nase und Hände. Gerüche werden intensiver wahrgenommen. Die Textur wird wichtig. Und Geschmäcker, die sonst sofort abgelehnt würden, bekommen eine faire Chance.

Übrigens spielen wir damit zu Hause nach, was Profis längst systematisch machen: Die Sapere-Methode – ein sinnesbasiertes Ernährungsbildungskonzept, das auf den französischen Geschmacksforscher Jacques Puisais zurückgeht und in finnischen Kitas fest verankert ist – arbeitet mit genau solchen Schmeck-, Riech- und Fühlübungen. Auch das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) empfiehlt sinnesorientierte Essensspiele, um Kinder ohne Druck an neue Lebensmittel heranzuführen. Wir nennen es einfach: ein lustiger Abend.

Isi, die Eule von banoo.boo
Isi erklärt: Warum wir mit den Augen essen
Etwa 80 % unserer Geschmackswahrnehmung kommt vom Geruch – nicht vom Mund. Und was wir sehen, beeinflusst was wir riechen und schmecken. Deswegen schmeckt eine orange gefärbte Vanillecreme süßer als eine weiße mit exakt demselben Inhalt. Das Gehirn kombiniert alle Informationen. Bei der Blindverkostung fällt ein Filter weg – und der Geschmack wird ehrlicher.

Und beim Blindtest: warum die Verpackung mitschmeckt

Beim zweiten Spiel fällt ein anderer Filter weg – nicht das Aussehen des Essens, sondern alles, was drumherum steht: Marke, Verpackung, Preis, Werbung. Und dieser Filter ist bei Kindern noch stärker als bei uns. In einer Studie der Stanford University legte das Team um Thomas Robinson drei- bis fünfjährigen Kindern identische Lebensmittel vor – einmal in neutraler Verpackung, einmal in der Tüte einer bekannten Fastfood-Kette. Die Kinder fanden dasselbe Essen aus der bedruckten Tüte deutlich leckerer. Sogar Karotten. Veröffentlicht wurde das 2007 in den Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine.

Bei Erwachsenen läuft es genauso. Die berühmteste Blindverkostung der Welt ist ein Blindtest im Sinne von Spiel 2: Bei der „Pepsi Challenge“ wählten viele Menschen ohne Etikett die eine Marke – und mit Etikett die andere. Wer als Familie einmal die günstige Eigenmarke gegen das doppelt so teure Markenprodukt antreten lässt, erlebt diesen Moment am eigenen Küchentisch. Manchmal gewinnt die teure Variante klar. Manchmal eben nicht. Beides ist ein guter Abend.

Varianten für Spiel 1 – für jedes Alter

Einfach (ab 3 Jahren): Das Fruchtspiel

4–6 verschiedene Früchte, in kleine Stücke geschnitten. Das Kind greift, riecht, kostet und rät. Kein Wettbewerb, kein Druck. Wer es mag spuckt nicht aus – wer es nicht mag darf auch ausspucken. Wichtig: das selbst entscheiden lassen.

Mittelschwer (ab 6 Jahren): Schmeckt oder schmeckt nicht

Mischung aus Bekanntem und Neuem: Apfelstücke, Käsewürfel, Gurke, Tomate, ein Stück Schokolade, ein Löffel Joghurt. Nach jedem Stück: Was ist das? Wie würdest du es beschreiben? Süß, sauer, salzig, bitter, umami – die fünf Grundgeschmäcker als spielerisches Thema einführen.

Anspruchsvoll (ab 8 Jahren): Die Gewürz-Runde

Kleine Schüsseln mit Gewürzen zum Erschnuppern: Zimt, Koriander, Paprika, Muskat, Thymian, Vanille. Kein Kosten nötig – nur Riechen und Raten. Wer kennt den Unterschied zwischen süßem und scharfem Paprika? Was riecht nach Weihnachten?

Für Picky Eater: Der neutrale Einstieg

Ausschließlich Dinge verwenden die das Kind grundsätzlich kennt und toleriert. Keine Tricks, keine versteckten Neuentdeckungen. Das Ziel hier ist nicht das Erweitern des Speiseplans, sondern das Erleben von Essen als spielerische Erfahrung. Das allein kann langfristig die Haltung verändern. Warum wählerisches Essen meist eine Phase ist und was sonst noch hilft, erklärt der Artikel über Picky Eater.

Banoo, das Schlossgespenst von banoo.boo
Banoo-Tipp: Das Familienturnier
Aus der Blindverkostung ein kleines Turnier machen: Jede Person rät 5 Dinge, wer die meisten richtig hat gewinnt einen symbolischen Preis (Wahl des nächsten Familienfilms, Freiheit von Abspülpflicht). Kinder lieben Wettbewerb – und plötzlich sind alle hochkonzentriert beim Riechen und Schmecken.

Varianten für Spiel 2 – was sich gut vergleichen lässt

Für den Blindtest brauchst du ein Produkt, das es in mehreren Ausführungen gibt und das alle mögen. Das sind unsere bewährten Kandidaten:

  • Apfelsaft (ab 5 Jahren): naturtrüb, klar, Direktsaft, Konzentrat, Eigenmarke. Der Einsteiger schlechthin, weil die Unterschiede riesig sind und niemand etwas Unbekanntes in den Mund nehmen muss.
  • Vanillejoghurt oder Pudding (ab 5 Jahren): drei bis vier Marken, alle gleich temperiert aus dem Kühlschrank. Hier gewinnt oft nicht das, was sonst im Wagen landet.
  • Butterkekse oder Schokolade (ab 6 Jahren): Eigenmarke gegen Markenprodukt gegen Bio-Variante. Der Preisunterschied ist der eigentliche Aha-Moment – Preise erst nach der Auflösung nennen.
  • Wasser (ab 7 Jahren): Leitungswasser, stilles Wasser aus der Flasche, ein teures Mineralwasser, alle gleich kühl. Klingt langweilig, ist es überhaupt nicht.
  • Selbstgemacht gegen gekauft (ab 8 Jahren): eure Vanillesauce gegen die aus der Tüte, euer Kartoffelbrei gegen das Pulver. Ehrlich bleiben, wenn das Gekaufte gewinnt – das gehört dazu.

Zwei Regeln machen den Unterschied zwischen einem echten Test und einem Zufallsergebnis. Erstens: alle Proben gleich aussehen lassen – gleiches Glas, gleiche Menge, gleiche Temperatur. Ein wärmerer Saft schmeckt automatisch süßer. Zweitens: die Reihenfolge auslosen und für jede Person neu mischen. Die erste Probe bekommt sonst systematisch bessere Noten, einfach weil der Mund noch neutral ist.

Beispiel: Der große Chips-Test

Wenn du nur ein Beispiel ausprobieren willst, nimm dieses. Der Chips-Test ist bei uns der Klassiker geworden, weil er alles hat, was eine gute Runde braucht: Alle mögen Chips, keiner muss sich überwinden, und trotzdem liegen am Ende erstaunlich viele daneben. Genau das macht den Reiz aus – man ist sich sicher, dass man Paprika erkennt. Und dann ist es Barbecue.

Der Aufbau ist simpel: fünf bis acht Sorten kaufen, jede in ein eigenes Schälchen, durchnummerieren. Wichtig ist nur, dass die Tüten aus dem Raum verschwinden, bevor es losgeht – Kinder lesen sonst mit, und zwar schneller als du gucken kannst.

Der Chips-Test ist auch deshalb ein gutes Beispiel, weil man an ihm beide Spiele hintereinander durchspielen kann: Runde 1 ist eine klassische Blindverkostung, Runde 2 und 3 sind Blindtests.

Runde 1 (Spiel 1): Sorten raten

Sechs Klassiker reichen völlig, und die gibt es in fast jedem Supermarkt:

  • Salz – der Nullpunkt. Erstaunlich schwer zu erkennen, wenn man nichts Vergleichbares im Mund hatte.
  • Paprika – wird fast immer erkannt, aber oft mit Barbecue verwechselt.
  • Sour Cream & Onion – der Zwiebelgeruch verrät sich schon beim Riechen.
  • Barbecue – süßlich-rauchig; die häufigste Fehl-Antwort im ganzen Spiel.
  • Käse – salzig und irgendwie „staubig“ im Abgang.
  • Salt & Vinegar – der Aufreger. Entweder Lieblingssorte oder sofortiges Gesicht.

Runde 2 (Spiel 2): Gleicher Geschmack, andere Chips

Das ist die Runde, die Erwachsene meist unterschätzt. Hier wird nicht mehr geraten, sondern nur noch bewertet. Nimm dreimal dieselbe Geschmacksrichtung – zum Beispiel Paprika – aber in unterschiedlicher Form: klassische dünne Kartoffelchips, gewellte, gestapelte aus der Röhre und dazu vielleicht Linsen- oder Gemüsechips. Der Geschmack ist auf dem Papier identisch. Im Mund ist er es überhaupt nicht.

Plötzlich reden alle über Dinge, für die sie sonst keine Worte hätten: Wie laut knackt es? Bleibt etwas an den Zähnen? Ist es fettig oder trocken? Genau hier merken Kinder zum ersten Mal, dass Textur ein eigener Teil von Geschmack ist – und nicht nur Beiwerk. Das ist übrigens kein Familien-Küchenmythos: Die Wahrnehmung von Knusprigkeit läuft mit über das Gehör, weshalb das Knack-Geräusch beim Reinbeißen die empfundene Frische mitbestimmt. Der Oxford-Forscher Charles Spence, der zu genau diesen Zusammenhängen zwischen Sinnen und Essen arbeitet, hat dafür 2008 sogar einen Ig-Nobelpreis bekommen.

Runde 3 (Spiel 2): Die Vertauschung

Für ältere Kinder ab etwa 8 Jahren: Fülle zwei Schälchen mit derselben Sorte, ohne das anzukündigen. Fast alle vergeben trotzdem unterschiedliche Punkte, und fast alle raten unterschiedliche Sorten. Die Auflösung sorgt zuverlässig für Empörung – und für ein echtes kleines Aha, weil sichtbar wird, wie stark Erwartung und Reihenfolge das Urteil verschieben.

Isi, die Eule von banoo.boo
Isi erklärt: Warum Chips so schwer zu erraten sind
Chips sind Geschmacks-Verstärker in Reinform. Die Aromen sitzen als Pulver außen auf, treffen also sofort auf die Zunge – bevor die Nase mitbekommt, worum es geht. Dazu kommt: Fast alle Sorten teilen sich dieselbe salzig-fettige Grundlage, und viele arbeiten mit ähnlichen Bausteinen wie Zwiebel- und Knoblauchpulver. Deshalb schmeckt so vieles im ersten Moment gleich. Wer zwischen den Proben einen Schluck Wasser trinkt, rät deutlich besser.

Zwei Dinge sind uns beim Chips-Test wichtig geworden. Erstens: Zutatenliste vorher lesen, wenn Allergien im Spiel sind. Käse- und Sour-Cream-Sorten enthalten fast immer Milchpulver, manche Sorten Weizen oder Sellerie – und mit verbundenen Augen kann niemand kurz nachschauen. Zweitens: kleine Portionen. Drei bis vier Chips pro Sorte und Person reichen völlig; Chips sind salzig und fettig, und ein Test soll ein Spiel bleiben, kein Abendessen. Der Rest wandert in eine Schüssel für alle.

Der Punktezettel zum Ausdrucken

Damit beim Zählen nichts durcheinandergerät, haben wir unseren Spielzettel als PDF gebaut – zwei Seiten im Querformat. Die Spielleitung trägt auf Blatt eins heimlich ein, was in den Schälchen 1 bis 8 steckt, auf Blatt zwei vergeben alle ihre Punkte von 1 bis 10. Am Ende Spalten addieren, geheimes Blatt umdrehen, Sieger küren.

Gebaut ist der Zettel für Spiel 2, den Blindtest – dort braucht ihr die Punkte und die Platzierung. Für Spiel 1 reicht Blatt eins allein: Die Spielleitung notiert dort vorab die Auflösung und deckt sie erst am Schluss auf. Und die Nummern sind bewusst leer geblieben, damit derselbe Zettel für Chips, Obst, Gewürze oder Joghurt funktioniert.

  • Blindverkostung – Spielleiter-Blatt und Punktetabelle
    2 Seiten

    Blindverkostung – Spielleiter-Blatt und PunktetabelleBV01

    Zwei Seiten, mehr braucht ihr nicht. Auf dem ersten Blatt trägt die Spielleitung heimlich ein, was in den Schälchen 1 bis 8 steckt – dieses Blatt darf vor dem Ende wirklich niemand sehen, das gehört zum Spaß dazu. Auf dem zweiten Blatt kommen die Namen aller Mitspieler hin, und jede Probe bekommt Punkte von 1 („schmeckt furchtbar“) bis 10 („schmeckt bootastisch“). Am Ende zählt ihr die Spalten zusammen, dreht das geheime Blatt um – und dann wird gelacht, gestritten und nachverkostet. Ausdrucken, Stift dazu, fertig.

Praktische Tipps für die Umsetzung

  • Verschluckbares meiden bei Kleinen: Mit verbundenen Augen ist das Verschluckrisiko höher als sonst. Für Kinder unter etwa 4 Jahren deshalb keine ganzen Nüsse, und Weintrauben oder Cherrytomaten immer halbieren – das empfehlen auch Kinderärzte ganz unabhängig vom Spiel.
  • Wasser bereitstellen: Zwischen den Proben neutralisieren lassen – sonst überlagern sich Geschmäcker.
  • Kein Zwang: Was das Kind nicht in den Mund nehmen mag, wird nicht erzwungen. Das Spiel endet sonst sofort.
  • Kleine Portionen: Es reicht wirklich ein kleiner Bissen – kein ganzes Stück.
  • Eigene Worte zulassen: „Schmeckt wie Sommer“, „riecht wie Omas Küche“ sind bessere Antworten als der richtige Name – und zeigen, dass das Kind wirklich nachdenkt.
  • Auch Erwachsene mitmachen: Wenn Eltern ratlos sind und daneben liegen, macht das für Kinder das ganze Spiel doppelt so schön.
  • Beim Blindtest nichts kommentieren: Kein „Bist du sicher?“ und kein Hochziehen der Augenbraue, während jemand Punkte vergibt. Ein einziger Zwischenruf reicht, und die ganze Tischrunde bewertet plötzlich gleich.
  • Verpackungen erst zum Schluss: Beim Blindtest kommen Tüten, Flaschen und Preise erst nach der Auflösung auf den Tisch – vorher verraten sie das Ergebnis, hinterher sind sie der beste Teil des Abends.

Nach dem Spiel – was bleibt

Blindverkostung ist kein pädagogisches Programm mit Lernziel. Es ist ein Spiel das nebenbei einiges bewirkt: Kinder reden über Essen, entwickeln Beschreibungen, machen Erfahrungen. Manchmal entsteht daraus Neugier aufs Kochen. Manchmal wird ein bisher abgelehntes Lebensmittel plötzlich interessant. Manchmal ist es einfach ein schöner Abend am Küchentisch.

Beim Blindtest bleibt oft noch etwas anderes hängen, und das hält meist länger: dass die eigene Zunge zählt und nicht die Verpackung. Kinder, die einmal erlebt haben, dass ihnen die günstige Eigenmarke besser geschmeckt hat als das beworbene Produkt, gehen anders durch den Supermarkt. Nicht sofort und nicht immer – aber der Gedanke ist gesät.

Das reicht.

Wer Kinder öfter ans Kochen heranführen möchte, findet Ideen in Kochen und Backen mit Kindern. Und wer auf der Suche nach weiteren Spielideen für drinnen ist: Wohnzimmer-Parcours und Zuhause spielen bieten ebenfalls viele Anregungen ohne großen Aufwand.

Häufige Fragen

Was ist eine Blindverkostung?
Bei einer Blindverkostung werden Lebensmittel mit verbundenen Augen oder geschlossenen Augen probiert – ohne zu sehen was es ist. Der Fokus liegt auf Schmecken, Riechen und Fühlen. Das schärft die Sinne, fördert Konzentration und macht aus dem Essen ein spannendes Erlebnis.
Was ist der Unterschied zwischen Blindverkostung und Blindtest?
Die Augenbinde ist dieselbe, die Frage nicht. Bei der klassischen Blindverkostung liegen verschiedene Lebensmittel auf den Tellern und die Aufgabe lautet: Was ist das? Es gibt richtig und falsch. Beim Blindtest liegt dasselbe Produkt in mehreren Varianten bereit – drei Sorten Apfelsaft, vier Marken Joghurt – und die Frage lautet nur: Was schmeckt mir am besten? Bewertet wird mit Punkten von 1 bis 10, ein Falsch gibt es nicht. Für Kinder, die ungern raten oder schlecht verlieren, ist der Blindtest deshalb der entspanntere Einstieg. Beide Spiele sollten nicht in derselben Runde vermischt werden.
Ab welchem Alter funktioniert Blindverkostung?
Ab ca. 3–4 Jahren können Kinder einfache Varianten mitmachen (Früchte erkennen, weich vs. hart). Ab 6–7 Jahren wird es komplexer und interessanter: Gewürze erschnuppern, Käsesorten unterscheiden, süß-sauer-salzig-bitter einordnen. Das Spielprinzip skaliert gut nach oben. Die Blindtest-Variante mit Punktevergabe braucht etwas mehr: Ab etwa 5–6 Jahren können Kinder sinnvoll Punkte von 1 bis 10 verteilen, jüngere zeigen einfach auf ihren Favoriten.
Hilft Blindverkostung bei wählerischen Essern?
Oft ja – aber nicht durch Trick, sondern durch Entdramatisierung. Wenn Essen zum Spiel wird, fällt die Abwehr. Kinder probieren eher, wenn sie selbst entscheiden dürfen, ob sie mögen oder nicht. Kein Druck, keine Bewertung – nur: Was schmeckst du? Das reicht manchmal um ein unbeliebtes Gemüse neu zu entdecken.
Wie funktioniert eine Blindverkostung mit Chips?
Fünf bis acht Sorten in nummerierte Schälchen füllen, Tüten aus dem Raum bringen, raten lassen. Runde 1: verschiedene Geschmacksrichtungen wie Salz, Paprika, Sour Cream, Barbecue, Käse und Salt & Vinegar – Paprika und Barbecue werden am häufigsten verwechselt. Runde 2: dieselbe Sorte in verschiedenen Formen (dünn, gewellt, gestapelt, Linsenchips) – da entscheidet nur noch die Textur. Wichtig: Zutatenliste vorher auf Allergene prüfen und drei bis vier Chips pro Sorte und Person reichen.
Was brauche ich für eine Blindverkostung?
Wenig: eine Augenbinde oder geschlossene Augen, 4–8 Lebensmittel, kleine Teller oder Schüsseln, Wasser zum Neutralisieren dazwischen. Kein besonderes Equipment nötig. Wer will, notiert Punkte oder Vermutungen – wer einfach spielen will, lässt das weg.
Banoo

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