Hummelnisthilfe bauen – Erdhummel im Garten fördern

Hummelnisthilfe bauen: so helft ihr der Erdhummel im Garten

Es gibt diesen einen Apriltag, an dem mein Sohn jedes Jahr aus dem Garten gerannt kommt: „Die erste Hummel ist da!“ Diese großen, brummenden Königinnen, die im zeitigen Frühjahr tief über dem Boden nach einem Nistplatz suchen, sind für Kinder etwas Magisches. Und tatsächlich kann man ihnen helfen, einen Platz zu finden.

Eine Hummelnisthilfe zu bauen ist ein schönes Frühjahrsprojekt – mit einer wichtigen Vorbemerkung gleich vorweg: Hummeln sind wählerisch, und längst nicht jede Nisthilfe wird bezogen. Das ist keine Bauanleitung mit Erfolgsgarantie, sondern eine Einladung, etwas auszuprobieren und ganz nebenbei eines der nützlichsten Insekten kennenzulernen.

Hummel, Biene oder Wespe? Der Unterschied

Für Kinder ist das die erste spannende Frage – und sie lässt sich leicht beantworten. Die Hummel ist groß, rundlich und dicht pelzig, brummt laut und wirkt fast zu schwer zum Fliegen. Die Honigbiene ist schlanker, weniger behaart und lebt in großen Völkern. Die Wespe ist glatt, schwarz-gelb gestreift, hat eine deutliche „Taille“ und interessiert sich im Spätsommer für Kuchen und Wurst – Hummeln und Bienen nie.

Gut zu wissen: Die Hummel ist eine Wildbienenart, also botanisch eine echte Biene. Sie sammelt Pollen und Nektar und sticht so gut wie nie.

Warum Hummeln besonders wichtig sind

Hummeln sind herausragende Bestäuber – und in einer Disziplin sogar besser als Honigbienen: Sie fliegen schon bei Kälte, Wind und leichtem Regen, wenn Honigbienen längst im Stock bleiben. Bei fünf, sechs Grad ist eine Hummel oft das einzige Insekt, das die ersten Obstblüten bestäubt. Manche Pflanzen wie Tomaten geben ihren Pollen überhaupt nur frei, wenn sie auf einer bestimmten Frequenz „durchgerüttelt“ werden – das beherrschen Hummeln mit ihrer Vibrationsbestäubung. Ohne sie fiele ein guter Teil der frühen Ernte schlechter aus.

Die Erdhummel: ein Leben im Boden

Die häufigste Art bei uns, die Dunkle Erdhummel, nistet ihrem Namen entsprechend unter der Erde – meist in verlassenen Mäusegängen, unter Wurzeln oder in Hohlräumen. Im Frühjahr sucht eine einzelne überwinterte Königin einen solchen Platz, legt die ersten Eier und zieht allein die erste Arbeiterinnen-Generation groß. Erst dann wächst das Volk. Im Spätsommer schlüpfen neue Königinnen, das alte Volk stirbt, und nur die Jungköniginnen überwintern. Eine Nisthilfe muss also einen dunklen, mäusegang-ähnlichen Hohlraum nachahmen.

Hummelnisthilfe bauen: zwei Varianten

Variante 1 – die Blumentopf-Methode (einfach): Ein großer Tonblumentopf wird kopfüber etwa zur Hälfte in die Erde eingegraben, sodass das Abzugsloch oben liegt und als Lüftung dient. Vom Loch führt ein Stück Gartenschlauch oder ein gegrabener Gang schräg nach oben an die Oberfläche – das ist der Eingang. Innen kommt etwas Nistmaterial hinein. Die Erde isoliert und hält den Hohlraum dunkel.

Variante 2 – der Holzkasten mit Erdröhre (aufwendiger): Eine Holzkiste (etwa 20×20×20 cm) aus unbehandeltem Holz mit Belüftungslöchern wird knapp unter der Erdoberfläche vergraben. Ein angesetztes Rohr oder ein Schlauch von 2–3 cm Durchmesser bildet den Eingangstunnel. Auch hier sorgt eine schräge Führung dafür, dass kein Wasser hineinläuft. Diese Variante lässt sich zum Reinigen wieder öffnen.

Banoo
Banoo-Tipp: Die erschöpfte Hummel retten
Manchmal findet man im Frühjahr eine reglose Hummel am Boden – oft ist sie nur unterkühlt oder hat keinen Treibstoff mehr. Rühr ein paar Tropfen Wasser mit etwas Zucker an und biete sie ihr auf einem Löffel oder Flaschendeckel an (kein Honig, der kann Krankheitserreger enthalten). Dann an einen sonnigen, geschützten Platz setzen. Oft trinkt sie kurz, putzt sich – und brummt nach wenigen Minuten davon. Für Kinder ist diese kleine Rettung ein großer Moment.

Standort und Ausrichtung

Der Eingang zeigt nach Südosten, damit ihn die Morgensonne wärmt, liegt aber halbschattig und windgeschützt – pralle Mittagssonne überhitzt das unterirdische Nest. Eine ruhige, ungestörte Ecke ist Pflicht: nicht an den Hauptweg, nicht neben die Terrasse. Wichtig ist außerdem ein wasserabführender Standort, kein Senkloch, in dem sich Regen sammelt.

Was hineinkommt

Als Nistmaterial eignet sich trockenes Moos, etwas trockenes Gras oder ausgepolstertes Mausnest-ähnliches Material – locker, trocken, atmungsaktiv. Keine Watte, keine Wolle, keine feuchten Stoffe. Eine Handvoll reicht; den Rest gestaltet die Königin selbst, wenn ihr der Platz zusagt.

Wann wird sie bezogen?

Wenn überhaupt, dann im zeitigen Frühjahr, wenn die Königinnen aus dem Winterschlaf kommen und auf Nistplatzsuche tief über dem Boden patrouillieren. Stell die Nisthilfe also im späten Winter oder frühen Frühjahr auf. Und jetzt der ehrliche Teil: Hummelnisthilfen haben eine niedrige Annahmequote – viele bleiben Jahr für Jahr leer, weil die Königinnen natürliche Plätze bevorzugen. Das ist normal und kein Baufehler. Der weitaus stärkere Hebel für Hummeln ist Nahrung, dazu gleich mehr.

Hummeln und Kinder: harmlos, wenn man sie lässt

Hummeln gehören zu den friedlichsten Insekten im Garten. Sie verteidigen ihr Nest kaum und stechen praktisch nur, wenn man sie festhält oder versehentlich quetscht. Kinder können sie aus kurzer Distanz beim Sammeln beobachten, ohne dass etwas passiert. Die Regel ist einfach: anschauen ja, anfassen nein. Wer doch einmal gestochen wird oder allgemein wissen will, was bei einem Stich hilft, findet das im Artikel zu Bienen- und Wespenstichen bei Kindern.

Isi
Isi erklärt: Warum Hummeln schon bei 5 Grad fliegen können
Hummeln sind sogenannte endotherme Insekten – sie können ihre Körpertemperatur aktiv erhöhen, ähnlich wie Säugetiere. Möglich macht das ihre kräftige Flugmuskulatur: Sie koppeln die Muskeln von den Flügeln ab und lassen sie schnell zittern, ohne dass sich die Flügel bewegen. Dieses Muskelzittern erzeugt Wärme, bis die Brusttemperatur etwa 30 Grad erreicht – erst dann sind die Muskeln einsatzbereit. Der dichte Pelz wirkt dabei wie eine Isolierschicht und hält die Wärme im Körper. Deshalb kann eine Hummel bei fünf Grad und Nieselregen unterwegs sein, während Honigbienen im Stock bleiben. Der NABU nennt diese Kältetoleranz als einen der Gründe, warum Hummeln für die frühe Obstblüte so unersetzlich sind.

Der stärkere Hebel: Nahrung von früh bis spät

Wer wirklich etwas für Hummeln tun will, sorgt für Blüten – und zwar vom ersten warmen Tag an. Die hungrigen Königinnen im Frühjahr brauchen frühe Trachtpflanzen wie Weidenkätzchen, Krokus, Lungenkraut oder Obstblüten. Über den Sommer helfen heimische Wildblumen und Kräuter. Welche Pflanzen sich eignen und wie ihr selbst eine kleine Wildblumenfläche oder einen bienenfreundlichen Balkon anlegt, steht ausführlich im Artikel über den bienenfreundlichen Garten.

So gesehen ist die Nisthilfe das Sahnehäubchen – das Fundament sind Blüten und ein Garten, der ein bisschen wild sein darf. Wer zusätzlich Wildbienen einen Platz geben möchte, baut ein Insektenhotel; beides zusammen macht aus dem Garten ein kleines Paradies für Bestäuber.

Häufige Fragen

Sind Hummeln gefährlich für Kinder?
Nein. Hummeln sind ausgesprochen friedlich und stechen nur, wenn sie sich akut bedroht fühlen – etwa wenn man sie quetscht. Beim Beobachten an der Blüte oder vor der Nisthilfe passiert nichts, solange das Kind sie in Ruhe lässt. Nur Kinder mit bekannter Insektengiftallergie brauchen besondere Vorsicht.
Wie erkenne ich, ob eine Hummel in meiner Nisthilfe wohnt?
Am regelmäßigen An- und Abflug. Wenn über mehrere Tage immer wieder Hummeln zielstrebig in dieselbe Öffnung kriechen und mit vollen Pollenhöschen zurückkommen, ist die Nisthilfe bezogen. Bitte nicht nachschauen oder öffnen – das stört das junge Volk empfindlich.
Was tue ich, wenn ich eine erschöpfte Hummel finde?
Setz sie an einen geschützten, schattigen Platz und biete ihr eine Lösung aus Wasser und etwas Zucker auf einem Löffel oder Deckel an (kein Honig). Oft tankt sie kurz auf und fliegt nach wenigen Minuten weiter. Wichtig: nur Zuckerwasser, nicht dauerhaft füttern.
Was ist der Unterschied zwischen Erdhummel und Steinhummel?
Beide sind häufige heimische Arten. Die Dunkle Erdhummel ist schwarz mit zwei gelben Querbinden und weißem Hinterleibsende; sie nistet meist unterirdisch in alten Mäusegängen. Die Steinhummel ist schwarz mit auffällig orangerotem Hinterleibsende und nistet gern unter Steinen oder Holz. Fürs Beobachten reicht der Blick aufs Hinterteil: weiß oder orange.
Banoo

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