Igelhaus bauen – Anleitung für Familien

Igelhaus bauen: Anleitung, Standort und wie ihr dem Igel helft

Letzten Herbst hat meine Tochter abends einen Igel im Vorgarten entdeckt, wie er raschelnd durchs Laub schob. Seitdem ist sie überzeugt, dass „ihr“ Igel ein Zuhause braucht. Ob es derselbe ist, weiß natürlich niemand – aber das Igelhaus, das wir daraufhin gebaut haben, ist eines der schönsten Projekte geworden, die wir je zusammen gemacht haben.

Ein Igelhaus ist schnell gebaut, kostet wenig und gibt einem der heimlichsten Gartenbewohner Schutz vor Kälte, Regen und Fressfeinden. Gleichzeitig lernen Kinder dabei eine Menge über ein Tier, das fast jeder kennt und kaum jemand wirklich gesehen hat. Wichtig ist, ein paar Dinge richtig zu machen – beim Bau wie beim Füttern.

Warum Igel Hilfe brauchen

Igeln geht es nicht gut, und das hat handfeste Gründe. Aufgeräumte Gärten ohne Laubhaufen und wilde Ecken bieten kaum noch Unterschlupf. Steingärten und durchgehende Zäune zerschneiden ihre nächtlichen Wege. Mähroboter, Pestizide und der Straßenverkehr tun ihr Übriges. Das Insektensterben nimmt ihnen zusätzlich die Nahrungsgrundlage – denn Igel fressen vor allem Käfer, Würmer und Larven.

Ein Igelhaus löst nicht alle diese Probleme, aber es ist ein konkreter Beitrag im eigenen Garten. Und es ist ein Anfang, von dem aus Kinder verstehen, warum eine „unordentliche“ Ecke im Garten wertvoller ist als der perfekte Rasen.

Igelhaus aus Holz bauen: Schritt für Schritt

Die einfachste Variante ist eine Holzkiste mit Deckel und einem Eingangstunnel. Nimm unbehandeltes Holz (Fichte, Kiefer, mindestens 1,5–2 cm dick), keine Spanplatte und keinen Lack. Säge die Bretter auf Maß – das übernehmen Erwachsene –, Kinder schmirgeln die Kanten und schrauben unter Anleitung mit.

Schraube die vier Seitenwände und den Boden zusammen, setze den Deckel auf (zum Reinigen abnehmbar oder aufklappbar). In eine Seite kommt der Eingang. Bohre zwei kleine Löcher in eine obere Ecke als Lüftung, damit sich keine Feuchtigkeit staut. Wer mag, baut innen vor den Eingang eine kurze Trennwand, sodass ein kleiner Vorraum entsteht – das schützt zusätzlich vor Zugluft und Eindringlingen.

Maße und Aufbau: der Eingangstunnel

Die Grundfläche sollte etwa 30×40 cm betragen, die Höhe rund 30 cm – genug Platz für ein Igel-Nest. Entscheidend ist der Eingangstunnel: Eine Öffnung von etwa 10×10 cm reicht dem Igel, ist aber zu eng für die meisten Katzen. Ein vorgesetzter Tunnel von 15–20 cm Länge macht es Fressfeinden zusätzlich unmöglich, mit der Pfote ins Innere zu greifen. Genau dieser Tunnel ist der Unterschied zwischen einem sicheren Quartier und einer Falle.

Banoo
Banoo-Tipp: Auf Igel-Pirsch in der Dämmerung
Igel sind nachtaktiv – die beste Beobachtungszeit ist die Dämmerung. Setzt euch leise und mit etwas Abstand auf die Terrasse und wartet. Oft hört man den Igel zuerst: ein lautes Rascheln und Schmatzen, das gar nicht zu so einem kleinen Tier passt. Eine Taschenlampe mit rotem Licht stört ihn weniger als weißes. Wer Geduld hat, sieht ihn auf seiner Runde – und das vergisst kein Kind so schnell.

Wo aufstellen?

Stell das Igelhaus an eine ruhige, schattige Ecke – unter eine Hecke, hinter den Geräteschuppen, an eine Mauer. Der Eingang zeigt von der Wetterseite weg, am besten nach Südosten. Leg ein paar Äste, Laub oder eine Plane lose über das Dach: Das tarnt das Haus, isoliert es und lässt es natürlicher wirken. Wichtig ist, dass es windgeschützt und vor Staunässe sicher steht – ein paar Steine oder Ziegel unter dem Boden halten es trocken.

Was hineingehört

Als Nistmaterial eignen sich trockenes Laub und Stroh. Finger weg von Heu (es schimmelt leicht und kann die Atemwege reizen), von Zeitungspapier (zieht Feuchtigkeit) und von Stoffresten oder Watte (darin verfangen sich die Tiere). Lege nur eine Handvoll Material hinein – den Rest trägt der Igel selbst zusammen, wenn ihm das Quartier gefällt. Im Frühjahr nach dem Winterschlaf wird das alte Material gewechselt.

Was Igel fressen – und was sie nie bekommen dürfen

Hier wird der häufigste, gut gemeinte Fehler gemacht. Igel sind Insektenfresser: Käfer, Regenwürmer, Larven, Schnecken. Wer zufüttern möchte (vor allem im Spätherbst), gibt Katzennassfutter oder spezielles Igelfutter und eine flache Schale Wasser dazu.

Was ein Igel auf keinen Fall bekommen darf: keine Milch und kein Brot. Beides klingt nach einer netten Geste aus alten Kinderbüchern, ist aber gefährlich – warum, erklärt Isi gleich genauer. Auch Obst, Nüsse oder Essensreste vom Tisch gehören nicht auf den Igelteller.

Isi
Isi erklärt: Warum Igel keine Milch vertragen
Der Rat, einem Igel eine Schale Milch hinzustellen, hält sich hartnäckig – und schadet jedes Jahr vielen Tieren. Der Grund liegt im Darm: Igel besitzen, wie die meisten erwachsenen Säugetiere, kaum noch das Enzym Laktase, das den Milchzucker (Laktose) spaltet. Die unverdaute Laktose gelangt unverändert in den Dickdarm, bindet Wasser und wird von Darmbakterien vergoren. Die Folge ist schwerer, oft blutiger Durchfall, der das kleine Tier rasch austrocknet und tötet. Der Verein Pro Igel e. V. und der NABU warnen deshalb ausdrücklich vor Milch. Richtig ist immer nur Wasser – und wer wirklich zufüttern will, nimmt Katzennassfutter.

Den Igel im Garten unterstützen

Das Igelhaus ist nur ein Baustein. Was Igeln im Garten sonst noch hilft:

  • Durchgang schaffen: ein faustgroßes Loch im Zaun (10×10 cm) verbindet eure Gärten zum Igel-Revier
  • Laubhaufen liegen lassen: eine wilde Ecke ist Versteck und Speisekammer zugleich
  • Vorsichtig mähen: vor dem Mähen (besonders mit dem Mähroboter abends) die Fläche absuchen
  • Keine Netze und Gifte: Schneckenkorn und herumliegende Netze sind tödliche Fallen
  • Wasserstellen sichern: aus steilen Teichen oder Lichtschächten kommt ein Igel nicht allein heraus – eine kleine Ausstiegsrampe rettet Leben

Wann ist ein Igel in Not?

Die meisten Igel brauchen keine Hilfe – aber es gibt klare Warnzeichen, bei denen man nicht wegschauen darf. Ein Igel, der tagsüber hilflos und apathisch herumliegt, der sichtbar torkelt oder humpelt, der von Fliegen umschwirrt ist oder Eier und Maden im Fell hat – der ist krank und braucht fachliche Hilfe. Auch ein sehr kleiner, untergewichtiger Igel im Spätherbst ist in Gefahr.

Hier wird nichts schöngeredet: Wenn eines dieser Zeichen zutrifft, gehört das Tier nicht ins selbst gebaute Haus, sondern in fachkundige Hände. Setz es vorsichtig (mit Handschuhen, in einen hohen Karton mit Handtuch) an einen warmen, ruhigen Ort und ruf Hilfe.

Igelstation: wohin damit?

Anlaufstellen sind die örtliche Igelstation, der Tierschutzverein, eine Wildtierauffangstation oder ein tierärztlicher Notdienst. Viele Igelstationen sind ehrenamtlich und beraten auch telefonisch, bevor du etwas unternimmst – das ist oft der wichtigste erste Schritt. Such am besten schon jetzt die nächstgelegene Station heraus, dann musst du im Ernstfall nicht erst lange suchen.

Mehr Naturprojekte für Familien: Wer Wildbienen einen Platz geben will, findet hier die Anleitung fürs Insektenhotel, für Vögel die Nistkasten-Anleitung. Warum eine wilde Ecke mehr bringt als der perfekte Rasen, zeigt Gärtnern mit Kindern, und wie ihr Tiere und Spuren entdeckt, die Naturbeobachtung.

Häufige Fragen

Darf ich den Igel anfassen?
So wenig wie möglich. Ein gesunder Igel, der nachts durch den Garten streift, braucht keine Hilfe und soll in Ruhe gelassen werden. Anfassen ist nur nötig, wenn ein Tier offensichtlich krank oder in Gefahr ist – dann mit Handschuhen oder einem Handtuch, weil die Stacheln pieksen und Igel Parasiten tragen können.
Kommt der Igel zurück, wenn ich das Haus berührt habe?
Ja. Anders als bei manchen Vögeln verlässt ein Igel sein Quartier nicht, nur weil ein Mensch daran war. Solange du nicht während des Winterschlafs hineingreifst oder das Haus umstellst, stört ihn dein Geruch nicht. Trotzdem gilt: im Winter das Igelhaus in Ruhe lassen.
Was gebe ich dem Igel zu trinken?
Nur Wasser, in einer flachen Schale. Niemals Milch – Igel vertragen den Milchzucker nicht und bekommen schweren Durchfall, der sie in Lebensgefahr bringen kann. Wasser dagegen ist besonders in heißen und trockenen Sommern eine echte Hilfe.
Mein Igel ist im Oktober sehr klein – was tun?
Das ist ein echtes Warnsignal. Igel, die im Spätherbst deutlich unter 500 Gramm wiegen, schaffen den Winterschlaf oft nicht aus eigener Kraft. Wiege das Tier (mit einer Küchenwaage und Handtuch) und nimm Kontakt zu einer Igelstation oder dem Tierschutzverein auf. Bitte nicht eigenmächtig überwintern, ohne dich beraten zu lassen.
Banoo

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