
Nachhilfe für Grundschulkinder – wann sinnvoll, was es kostet
Wir haben uns das im letzten Halbjahr ernsthaft gefragt. Und dann gemerkt: Die Entscheidung für Nachhilfe ist komplizierter als eine schlechte Note.
Das Zeugnis kommt nach Hause, und die Zahl neben „Mathematik" ist eine, die uns nicht kalt lässt. Der erste Impuls: Nachhilfe her. Aber dann kommt sofort die nächste Frage – zu wem, wie oft, was kostet das, hilft das überhaupt? Wir haben uns das auch gefragt. Und gelernt: Die Entscheidung für Nachhilfe ist komplexer als eine schlechte Note, und manchmal ist sie gar nicht das Richtige.
Wann Nachhilfe wirklich hilft – und wann nicht
Nachhilfe hilft, wenn es eine konkrete Lücke gibt, die sich mit gezielter Unterstützung schließen lässt. Sie hilft weniger, wenn das eigentliche Problem fehlendes Üben zu Hause, mangelnde Konzentration, eine Lernstörung oder Überforderung durch das Gesamtpensum ist.
Nachhilfe sinnvoll:
- Ein bestimmtes Thema – schriftliches Dividieren, Grammatik – sitzt nicht und bleibt trotz Erklärungen unklar.
- Das Kind braucht mehr Erklärungszeit als im Klassenunterricht möglich ist.
- Die Klasse ist im Stoff schon weiter und das Kind hängt strukturell hinterher.
- Prüfungsvorbereitung für einen konkreten Termin.
Nachhilfe weniger sinnvoll:
- Das Kind übt zu Hause kaum und erwartet, dass Nachhilfe das ersetzt.
- Es gibt eine zugrundeliegende Lernstörung – LRS, Dyskalkulie – die spezifische Förderung braucht, keine allgemeine Nachhilfe.
- Leistungsdruck von unserer Seite als Eltern ist das eigentliche Thema.
- Das Kind zeigt keine Bereitschaft mitzumachen.

Welche Formen es gibt
Einzelnachhilfe: Intensivste Form – ein Nachhilfelehrer arbeitet nur mit dem Kind. Teuer, aber sehr flexibel auf die konkreten Lücken zugeschnitten.
Gruppenunterricht: 2–5 Kinder zusammen, günstiger als Einzelunterricht. Funktioniert gut, wenn die Kinder ähnliche Lücken haben. Bei sehr spezifischen Problemen weniger geeignet.
Nachhilfeinstitute: Strukturierter Rahmen, erfahrene Nachhilfelehrer, aber wenig individuell. Qualität variiert stark – unbedingt Referenzen fragen.
Online-Nachhilfe: Video-Call mit Nachhilfelehrer, oft günstiger und flexibler als Präsenz. Funktioniert gut ab ca. 9–10 Jahren, wenn das Kind selbstständig am Computer sitzen kann.
Lern-Apps: Keine Nachhilfe im eigentlichen Sinne, aber sinnvolle Ergänzung. Anton (kostenlos), Bettermarks (Mathe, kostenpflichtig), Khan Academy (kostenlos, auf Englisch) – für eigenständiges Üben und Wiederholen.
Was Nachhilfe kostet – und was Alternativen kosten
Ein realistischer Überblick:
- Schüler/Studenten als Nachhilfelehrer: 15–25 €/Stunde – günstigste Option, qualitativ sehr unterschiedlich
- Freiberufliche Nachhilfelehrer: 25–45 €/Stunde – oft pädagogisch erfahrener
- Nachhilfeinstitute: 35–60 €/Stunde – strukturiert, aber teuer
- Online-Plattformen: 20–40 €/Stunde – flexibel, zunehmend qualitativ gut
Bei zweimal wöchentlicher Nachhilfe: 120–250 € monatlich. Im Jahr macht das 1.500–3.000 €. Das sollte in die Entscheidung einfließen – besonders wenn kein klares Ziel definiert ist.
Kostenfreie Alternativen: Viele Städte und Gemeinden bieten Lernpaten-Programme an, Wohlfahrtsverbände unterstützen einkommensschwache Familien, und Schulen haben oft eigene Förderangebote, die nicht aktiv kommuniziert werden.
Wie wir gute Nachhilfe erkennen
Qualitätsmerkmale für Nachhilfelehrer oder -institute:
- Klare Zieldefinition beim ersten Gespräch: Was soll in welchem Zeitraum erreicht werden?
- Rückmeldung an uns als Eltern nach jeder oder jeder zweiten Stunde
- Der Nachhilfelehrer fragt nach dem aktuellen Schulstoff, nicht nach eigenem Curriculum
- Das Kind mag die Stunden – zumindest lehnt es sie nicht aktiv ab
- Nach 4–6 Wochen ist ein messbarer Fortschritt spürbar
Rote Flaggen: Langfristige Verträge ohne Kündigungsoption, fehlende Kommunikation mit uns als Eltern, Unterricht immer gleich ohne Anpassung an den Schulstoff.

Was wir als Eltern beisteuern können
Nachhilfe wirkt besser, wenn wir aktiv begleiten – aber nicht selbst zum zweiten Lehrer werden:
- Regelmäßige Übungszeit zu Hause sicherstellen – auch zwischen den Nachhilfestunden
- Nachfragen, was heute geübt wurde – nicht prüfen, sondern interessiert sein
- Fortschritte sichtbar machen und benennen
- Nicht übernehmen: Wer für das Kind löst, nimmt ihm die Lerngelegenheit

Wenn Nachhilfe nicht hilft – was dann?
Wenn nach 6–8 Wochen kein Fortschritt sichtbar ist, lohnt es sich zu überprüfen:
- Ist die Ursache falsch eingeschätzt? Steckt dahinter eine Lernstörung wie Legasthenie oder Dyskalkulie, die spezifische Förderung braucht?
- Stimmt die Chemie zwischen Kind und Nachhilfelehrer nicht?
- Ist das Format falsch? Manche Kinder lernen besser in Gruppen, andere allein.
- Ist das Ziel zu vage? „Besser in Mathe werden" ist kein Ziel – „Das schriftliche Dividieren bis Ende des Quartals sicher beherrschen" schon.
Bei Verdacht auf Legasthenie findest du Hinweise in Lese-Rechtschreibschwäche, bei Rechenproblemen in Rechenschwäche (Dyskalkulie). Wie Leistungsdruck und Noten das große Bild beeinflussen, erklärt Leistungsdruck und Noten. Und was bei Hausaufgaben generell hilft: Hausaufgaben ohne Drama. Als kostenlose Alternative oder Ergänzung zur Nachhilfe bieten die interaktiven Online-Übungen auf banoo.boo strukturiertes Üben in Mathe, Deutsch, Englisch und Sachkunde – für alle Grundschulklassen, ohne Anmeldung.
Häufige Fragen
Ab welchen Noten braucht ein Kind Nachhilfe?
Was kostet Nachhilfe im Schnitt?
Gibt es kostenlose Alternativen zur Nachhilfe?
Online oder in Person – was ist besser?
Wie lange sollte Nachhilfe dauern?
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