
Spinnen in Deutschland: welche gibt es, welche sind harmlos, was tun bei Biss?
Herbst, und in der Badewanne sitzt eine Spinne. Für viele Kinder – und nicht wenige Erwachsene – ein Moment des Schreckens. Dabei sind Spinnen in Deutschland eine der nützlichsten Tiergruppen überhaupt, fast alle vollkommen harmlos und ein fantastisches Thema für Kinder, die gerne genau hinschauen. Was du wissen musst, was du deinem Kind erklären kannst, und wo tatsächlich ein bisschen Vorsicht angebracht ist.
Wie viele Spinnenarten gibt es in Deutschland?
In Deutschland leben über 1.000 verschiedene Spinnenarten. Das klingt viel – und das ist es auch. Spinnen sind praktisch überall: im Garten, im Wald, auf Wiesen, im Keller, in Wohnzimmern und in Badezimmern. Trotzdem sind so gut wie alle heimischen Arten für Menschen ungefährlich. Die Zahl der medizinisch relevanten Arten lässt sich in Deutschland an einer Hand abzählen.
Spinnen sind keine Insekten. Sie gehören zu den Spinnentieren und haben acht Beine – im Unterschied zu Insekten, die sechs Beine haben. Das ist ein guter Einstieg für neugierige Kinder, die anfangen, Tiere zu unterscheiden.
Die häufigsten Spinnen, die Kinder antreffen
Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus): Die wohl bekannteste Spinne in Deutschland. Sie baut kunstvoll konzentrische Netze und sitzt meist in der Mitte. Das weiße Kreuz auf dem Hinterleib ist unverwechselbar. Für Menschen harmlos – auch wenn sie groß wirken kann. Die Gartenkreuzspinne ist ein ideales Beobachtungsobjekt: Kinder können ihr beim Netzbauen zusehen, Beute beobachten und das Netz im Morgentau fotografieren.
Hauswinkelspinne (Tegenaria-Arten): Groß, braun, schnell. Sie lebt in Ecken, hinter Regalen, unter Badewannen und baut trichterförmige Netze. Weil sie so groß wirkt, wird sie oft für gefährlich gehalten – ist aber harmlos. Die Hauswinkelspinne ist das Tier, das im Herbst scheinbar plötzlich in der Wohnung auftaucht, weil die Männchen dann auf Partnersuche sind.
Wolfspinne (Lycosidae-Familie): Wolfspinnen bauen kein Netz, sondern jagen aktiv – sie rennen hinter ihrer Beute her. Das macht sie für Kinder besonders faszinierend. Viele Arten tragen ihre Eikokon und später die Jungtiere auf dem Rücken mit. Harmlos für Menschen, halten aber Abstand, was gut ist.

Können Spinnen in Deutschland beißen?
Ja, prinzipiell haben alle Spinnen Giftklauen (Chelizeren) und können beißen. Aber: Die meisten heimischen Arten können die menschliche Haut gar nicht durchdringen, weil ihre Klauen dafür zu schwach oder zu klein sind. Und selbst wenn es zu einem Biss kommt, bleibt es meist bei einer leichten Rötung, die nach ein paar Stunden wieder weg ist.
Spinnen beißen ausschließlich zur Verteidigung und nie ohne Grund. Wer eine Spinne nicht einklemmt, fest drückt oder reizt, wird nicht gebissen. Das gilt auch für die meisten der als „aggressiv" geltenden Arten.
Die Ausnahmen: Dornfingerspinne und Nosferatu-Spinne
Dornfingerspinne (Cheiracanthium punctorium): Die einzige heimische Spinne, deren Biss regelmäßig medizinisch relevant ist. Sie lebt auf Wiesen und in Feldern, versteckt sich im Sommer in aufgerollten Grashalmen oder in Getreide. Sie beißt, wenn man sie aus Versehen einklemmt – zum Beispiel beim Hinsetzen auf einer Wiese oder beim Arbeiten im Garten. Der Biss brennt, kann eine deutliche lokale Schwellung verursachen und in seltenen Fällen Allgemeinsymptome wie Schwindel oder Übelkeit auslösen. Gefährlich ist das für gesunde Menschen nicht, aber unangenehm. Kinder auf Wiesen sollten keine unbekannten Gespinst-Röhren in Grashalmen anfassen.

Spinnenangst bei Kindern: woher sie kommt und wie man damit umgeht
Spinnenangst (Arachnophobie) ist eine der verbreitetsten Phobien überhaupt. Bei Kindern entsteht sie oft durch Reaktionen von Erwachsenen: Wer als Kind sieht, dass die Mutter oder der Vater bei einem Spinnenanblick erschrickt oder schreit, lernt schnell: Das muss etwas Bedrohliches sein.
Was hilft:
- Eigene Reaktionen bewusst dämpfen – auch wenn es dir selbst schwer fällt
- Spinnen positiv beschreiben: „Schau mal, wie kunstvoll ihr Netz ist"
- Gemeinsam beobachten, aus sicherem Abstand
- Bücher oder Dokumentationen über Spinnen schauen – Wissen baut Angst ab
- Auf keinen Fall Kinder zwingen, eine Spinne anzufassen
Bei sehr starker Spinnenangst, die den Alltag einschränkt, lohnt es sich, professionelle Unterstützung zu suchen. Verhaltenstherapeutische Methoden wie die graduierte Exposition sind bei Arachnophobie sehr wirksam.
Was tun, wenn ein Kind gebissen wurde?
Ruhig bleiben. Den Biss mit Wasser und Seife säubern. Dann beobachten: Wie groß ist die Rötung? Breitet sie sich aus? Hat das Kind weitere Symptome?
Zum Arzt solltest du, wenn:
- die Schwellung größer als 5 cm wird oder sich rasch ausbreitet
- starke Schmerzen auftreten, die nicht nachlassen
- das Kind Allgemeinsymptome zeigt: Schwindel, Übelkeit, Herzrasen, Atemnot
- du weißt oder vermutest, dass es sich um eine Dornfingerspinne handelt
In den allermeisten Fällen bleibt es bei einem kurzen Kratzen an der Stelle und fertig.
Spinnen als Nützlinge: was sie fressen, warum sie gut sind
Spinnen sind Raubtiere und ernähren sich fast ausschließlich von Insekten. Eine einzige Gartenspinne fängt im Laufe ihres Lebens hunderte Fliegen, Mücken, Motten und andere Schädlinge. Der Gesamtbestand der Spinnen in Deutschland frisst laut einer oft zitierten Schätzung mehr Insekten als das Gesamtgewicht der deutschen Bevölkerung pro Jahr – ein Bild, das Kinder fasziniert und das Thema greifbar macht.
Im Garten sind Spinnen unverzichtbar: Sie kontrollieren Blattläuse, Mücken und andere Schädlinge – ohne Chemie, ohne Aufwand. Das Spinnennetz im Morgengrauen, von Tau bedeckt, ist nebenbei eines der schönsten Naturphänomene, die man im Garten beobachten kann.
Spinnen drinnen: umsiedeln statt töten
Hauswinkelspinnen und Zitterspinnen, die häufigsten Mitbewohner in deutschen Wohnungen, sind aus ökologischer Sicht wertvolle Gäste: Sie fangen Mücken, Silberfischchen und andere Haushaltsschädlinge. Wer sie draußen lässt, profitiert also direkt.
Die Glas-Papier-Methode funktioniert bei fast allen Haushaltsgrößen. Wer eine Spinne regelmäßig in der Badewanne findet: Das Tier ist durch den Abfluss reingekommen oder hat sich den Rand der Wanne hinuntergelassen und kommt nicht mehr raus. Ein schräg hineingestelltes Handtuch als „Leiter" hilft der Spinne, selbst herauszuklettern.
Wer mehr über das stille Leben im Garten erfahren will, findet im Artikel Naturbeobachtung mit Kindern viele Einstiegsideen. Was zu tun ist, wenn ein Kind sich im Wald oder Garten verletzt, erklärt Erste Hilfe für Eltern. Und wenn du dir unsicher bist, ob ein Symptom ärztliche Aufmerksamkeit braucht, hilft Mein Kind ist krank – wann zum Arzt?
Häufige Fragen
Soll ich Spinnen im Haus töten oder rausbringen?
Die Hauswinkelspinne sieht aus wie eine Vogelspinne – ist die gefährlich?
Was tue ich bei einem Spinnenbiss?
Wie erkläre ich meinem Kind dass Spinnen nicht gefährlich sind?
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