St. Martin mit Kindern – Laterne, Umzug, Geschichte

St. Martin mit Kindern: der Überblick für den ganzen Abend

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Unsere erste Laterne war eine Katastrophe. Ich hatte einen Bausatz gekauft, alles vorbereitet, und mein Sohn hat nach vier Minuten das Interesse verloren. Fertig gebastelt habe am Ende ich, um elf Uhr abends am Küchentisch. Am nächsten Tag zeigte er sie stolz in der Kita – als seine.

Seitdem machen wir das anders. Die Laterne muss nicht schön werden. Sie muss leuchten, und das Kind muss wissen, welcher Teil davon von ihm ist. Alles andere ist Eltern-Ehrgeiz.

Worum es bei St. Martin eigentlich geht

Wenn Kinder fragen, warum wir mit Laternen durch die Dunkelheit laufen, lohnt sich die kurze Version: Martin von Tours war im 4. Jahrhundert römischer Soldat. Der Legende nach ritt er an einem eiskalten Tag durch das Stadttor von Amiens und sah einen Bettler, der fror. Martin hatte nichts dabei außer seinem Mantel – also zerschnitt er ihn mit dem Schwert und gab dem Mann die Hälfte. Später wurde er Bischof von Tours, gestorben ist er 397.

Für kleine Kinder ist das eine erstaunlich gut verständliche Geschichte, weil sie ohne Erklärung auskommt: Einer hatte etwas, ein anderer nicht, und dann wurde geteilt. Genau darüber lässt sich auf dem Nachhauseweg reden, wenn die Laterne noch leuchtet und alle Lieder gesungen sind.

Welche Laterne zu welchem Alter passt

Die Auswahl entscheidet sich weniger am Geschmack als daran, welchen Anteil das Kind selbst übernehmen kann. Grob nach Alter:

  • Ab 2 Jahren – Milchtüte oder Pappteller. Erwachsene schneiden, das Kind reißt Transparentpapier und klebt. Fertig an einem Abend.
  • Ab 4 bis 5 Jahren – Luftballon mit Kleister. Der höchste Matschfaktor und die Laterne, an die sich Kinder erinnern. Braucht aber zwei Tage, weil der Kleister durchtrocknen muss.
  • Ab 5 bis 6 Jahren – Tonkarton mit eigenem Motiv. Jetzt zählt die eigene Idee: ein Fuchs, ein Bagger, ein Stern. Hauptsache selbst ausgesucht.
  • Ab 8 Jahren – freie Formen und Konservendose. Kinder wollen in diesem Alter konstruieren statt bekleben.

Bei allen gilt dieselbe Regel: Das Kind muss erkennen können, welcher Teil von ihm ist. Eine schiefe Laterne, die es selbst geklebt hat, schlägt jede gerade vom Küchentisch um elf Uhr abends.

Banoo, das Schlossgespenst von banoo.boo
Banoo-Tipp: Die Laterne einen Tag vorher testen
Einmal im dunklen Flur anschalten und ein paar Meter tragen. Dabei fällt auf, was am Abend selbst richtig ärgerlich wäre: Der Draht schneidet ein, die Laterne kippt zur Seite, das LED-Licht sitzt zu tief oder der Stab ist zu kurz für die Körpergröße. Fünf Minuten, die viele Tränen sparen.

Licht, Draht und Sicherheit

  • LED statt Kerze. Papier, Wind, Gedränge und ein müdes Kind sind keine gute Kombination mit offener Flamme. LED-Stäbe leuchten den ganzen Abend und lassen sich vom Kind selbst bedienen.
  • Der Laternenstab sollte zur Körpergröße passen. Zu lang bedeutet, dass die Laterne über dem Kopf schwingt und gegen andere Kinder stößt.
  • Zwei Aufhängepunkte statt einem: Dann hängt die Laterne gerade und kippt nicht bei jedem Schritt.
  • Reflektoren an die Jacke. Ein Umzug führt oft über oder entlang von Straßen, und die Laterne leuchtet nach innen, nicht nach außen. Mehr dazu in Sichtbarkeit im Straßenverkehr.
  • Ersatz-LED und Ersatzbatterie in die Jackentasche. Eine ausgefallene Laterne mitten im Umzug ist für ein Vierjähriges ein echtes Drama.
Isi, die Eule von banoo.boo
Isi erklärt: Warum Kinder Lichter in der Dunkelheit so lieben
Ein Licht, das man selbst trägt, verändert für Kinder die ganze Situation. Entwicklungspsychologisch ist die Dunkelheit im Kleinkindalter deshalb schwierig, weil sie Kontrolle wegnimmt: Man sieht nicht, was kommt. Eine Laterne gibt einen kleinen Bereich zurück, den das Kind überblickt – und der ihm gehört. Genau daher kommt der Stolz, mit dem Vierjährige ihre Laterne tragen, und auch die Verzweiflung, wenn das Licht ausgeht. Es ist nicht nur eine Bastelei, es ist ein Stück Sicherheit am Stiel.

Der Umzug selbst – was mit kleinen Kindern wirklich passiert

Auf dem Papier: ein romantischer Zug durch die Dämmerung, Kinderstimmen, Laternen. In der Realität: zwanzig Minuten Warten, bis es losgeht, kalte Finger, Gedränge, und irgendwo hinten weint jemand.

Was bei uns hilft:

  • Vorher essen. Ein hungriges Kind im Dunkeln ist chancenlos. Der Weckmann am Ende kommt zu spät.
  • Warm anziehen, mit Reserve. Stehen ist kälter als Laufen, und ein Umzug besteht zur Hälfte aus Stehen. Handschuhe, die man mit Laterne noch anbekommt.
  • Den Buggy mitnehmen, auch wenn das Kind ihn seit Monaten verweigert. Auf dem Rückweg ist er Gold wert.
  • Einen Treffpunkt ausmachen, falls ihr euch verliert. Bei Dunkelheit und hundert ähnlich aussehenden Jacken geht das schneller als gedacht.
  • Früh gehen dürfen. Niemand muss bis zum Ende bleiben. Wer nach zwanzig Minuten satt ist an Erlebnis, hat trotzdem St. Martin gefeiert.

Die Lieder – und was danach kommt

Drei Lieder reichen, und die meisten Kinder bringen sie ohnehin aus der Kita mit: Ich geh mit meiner Laterne, Laterne, Laterne und Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind. Wenn ihr sie ein paar Tage vorher zu Hause singt, kann euer Kind beim Umzug mitmachen statt nur zuzuhören – das macht einen erstaunlichen Unterschied für die Stimmung.

Am Ende gibt es vielerorts einen Weckmann, in manchen Regionen heißt er Stutenkerl oder Hefekerl. Der ist schnell selbst gebacken; wie Kinder beim Hefeteig mithelfen können, steht in Kochen und Backen mit Kindern.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Teilen. Wir haben ein paar Jahre gebraucht, um zu merken, dass der beste Moment nicht der Umzug ist, sondern der Heimweg: Die Laterne leuchtet noch, alle sind müde und zufrieden, und plötzlich kommen Fragen. Warum hat der Mann gefroren? Warum hat Martin nicht den ganzen Mantel gegeben? Das sind gute Gespräche – und sie passen zu allem, was Kinder in diesem Alter über Gerechtigkeit und Teilen ohnehin gerade beschäftigt.

Wer nach dem Umzug noch Bastel-Energie hat: In Basteln mit Kindern stehen 15 weitere Ideen, die mit Haushaltsmitteln funktionieren.

Und wenn in der Schule gerade Zahlen oder Herbstwörter dran sind: Unsere Herbst-Arbeitsblätter für Klasse 1 bis 4 greifen Laternen, Kastanien und den Martinsumzug auf und wiederholen dabei den Stoff bis zu den Herbstferien.

Häufige Fragen

Wann ist St. Martin und was wird da eigentlich gefeiert?
St. Martin ist am 11. November. Gefeiert wird Martin von Tours, ein römischer Soldat aus dem 4. Jahrhundert, der der Legende nach vor den Toren von Amiens seinen Mantel mit dem Schwert teilte und die Hälfte einem frierenden Bettler gab. Später wurde er Bischof von Tours. Der Laternenumzug hat mit der Legende selbst wenig zu tun – das Licht in der dunkelsten Jahreszeit ist der ältere Teil des Brauchs.
Welche Laterne passt zu welchem Alter?
Ab etwa zwei Jahren funktioniert die Milchtüten-Laterne: Der Karton ist schon stabil, das Kind klebt nur noch Transparentpapier drauf. Ab vier wird der Luftballon mit Kleister spannend, weil das Matschen den halben Reiz ausmacht. Ab fünf bis sechs schaffen Kinder einen Rohling aus Tonkarton mit eigenem Motiv. Wichtig ist bei allen: Das Kind muss erkennen können, welcher Teil von ihm ist.
Kerze oder LED in der Laterne?
LED, ohne Diskussion. Eine echte Kerze in einer Papierlaterne, getragen von einem müden Vierjährigen im Gedränge, ist genau die Kombination, die schiefgeht. LED-Stäbe kosten wenig, halten den ganzen Abend und lassen sich vom Kind selbst ein- und ausschalten – was übrigens Teil des Spaßes ist. Manche Kitas schreiben LED ohnehin vor.
Was tun, wenn mein Kind beim Umzug nicht mitlaufen will?
Das ist normaler, als es sich in dem Moment anfühlt. Dunkelheit, Kälte, viele fremde Menschen und ein Ablauf, den das Kind nicht überblickt – das ist viel auf einmal. Was hilft: vorher wissen, wo der Umzug endet, das Kind auf dem Arm oder im Wagen mitfahren lassen und die Laterne notfalls selbst tragen. Ein Kind, das den halben Weg getragen wurde, hat trotzdem St. Martin erlebt.
Banoo

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