
Kapitel 18 - Grumbert in der Klemme
Der Wald oberhalb von Spukstein war nicht groß. Aber er war alt, und alte Wälder hatten die Angewohnheit, Wege zu verschieben, ohne jemanden zu fragen.
Grumbert hatte das nicht einkalkuliert.
Bruno machte seinen Abendspaziergang am Waldrand – er machte ihn immer, auch wenn es regnete, weil die Bäume dann anders rochen. Er hatte eine Laterne dabei, einen guten Mantel, und keine besondere Absicht.
Er hörte ein Geräusch.
Dann sah er Grumbert.
Er saß auf einem Baumstumpf am Rand eines kleinen Weges, der nirgendwo hinführte. Der Hut war nass. Das Handbuch lag offen auf den Knien, aber die Seiten waren aufgeweicht und die Tinte verlaufen. Das rechte Bein war leicht verdreht – kein Bruch, aber ein falscher Schritt, und es sah unangenehm aus.
Grumbert schaute auf. Er erkannte Bruno. Sein Gesicht machte mehrere Dinge gleichzeitig, die sich gegenseitig auflösten, und blieb dann bei: Nichts. Er sagte nichts.
„Ich bring dich ins Schloss", sagte Bruno.
„Das ist nicht—"
„Ja." Bruno kniete sich hin und schaute das Bein an. „Kannst du laufen?"
„Natürlich kann ich—"
„Ich frag, weil ich dir helfen würde, wenn nicht."
Grumbert schwieg. Dann stand er auf – langsam, etwas schief.
„Ich kann laufen."
„Gut." Bruno reichte ihm die Laterne. „Nimm die."
Es war spät, als sie ankamen. Tick machte sofort Suppe, ohne zu fragen. Isi schaute das Bein an und sagte, er solle es schonen und morgen früh auf gar keinen Fall in den Wald. Ganosch betrachtete den aufgeweichten Handbuch-Zustand und sagte nichts, was seine freundlichste Reaktion auf Grumbert bis dato war.
Banoo schwebte herum und wollte helfen, aber Grumbert bat ihn, einfach woanders zu schwebben, bitte, das sei auch Hilfe.
„Ich kann woanders strahlen", bot Banoo an.
„Ja. Das wäre gut."
Er verbrachte die Nacht in der alten Gästekammer im Nordflügel. Das Bett war alt und das Laken frisch und das Zimmer roch nach Lavendel und altem Stein. Er aß Ticks Suppe – Pastinaken, Lorbeer, etwas, das er nicht identifizieren konnte und das sehr gut war.
Er aß alles.
Dann saß er lange am kleinen Fenster und schaute auf den dunklen Hof.
Am Morgen war das Bein besser. Er packte seine Tasche – das aufgeweichte Handbuch als Letztes, weil er noch nicht wusste, wie er damit umgehen sollte.
Tick stand in der Tür der Küche.
„Frühstück ist fertig."
„Ich wollte eigentlich—"
„Es ist fertig."
Er aß auch das Frühstück.

Am Tor blieb er stehen. Die anderen standen nicht da und schienen ihn nicht zu verabschieden, aber Banoo war da, natürlich, und schwebte etwas zu nah.
„Das war—" Grumbert räusperte sich. „Das war akzeptabel."
„Du kannst wiederkommen", sagte Banoo. „Ohne Netz, wenn du willst."
Grumbert schaute auf das Tor. Dann auf Banoo.
Er sagte nichts dazu. Er hob den Hut leicht an – was man einen Gruß nennen konnte, wenn man großzügig war – und ging.
Tick schrieb in ihr Notizbuch, als Banoo zurückkam: Fortschritt.
„Was hast du geschrieben?", fragte Banoo.
„Merkliste", sagte Tick.
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