Vorlesegeschichte Kap. 21: Bruno allein

Kapitel 21 - Brunos Ausflug

Bruno hatte noch nie etwas ganz allein gemacht. Nicht weil er es nicht konnte. Sondern weil er meistens bevorzugte, es mit jemandem zu tun. Das war kein Fehler. Es war nur eine Gewohnheit.

Mato hatte ihn auf den Gedanken gebracht – ohne es direkt zu sagen, wie Mato Dinge tat.

„Der alte Mühlenweg flussaufwärts", hatte er eines Abends gesagt. „Ich hab gehört, da ist noch eine Wassermühle. Vergessen, glaube ich. Schön, wahrscheinlich."

Er hatte nichts weiter gesagt. Hatte nichts angeboten, nicht gefragt, ob jemand mitkommen wollte.

Bruno hatte die ganze Nacht daran gedacht.


Er brach früh auf, bevor die anderen frühstückten. Er hinterließ einen Zettel: Mühle. Fluss. Bin abends zurück. Mehr brauchte er nicht.

Der Weg flussaufwärts war schmal und uneben und wechselte dreimal die Seite, weil der Abenbach sich durch das Tal schlängelte. Brunos Schritte waren groß und ruhig. Er hatte eine Brotdose dabei und eine Feldflasche. Er brauchte keine Karte.

Es regnete leicht. Das war gut. Die Bäume rochen dann besser.


Die Mühle fand er nach zwei Stunden.

Sie war alt und still. Das Mühlrad hing schief im Wasser, aber es drehte sich noch – langsam, ein bisschen schief, mit einem Knarzen, das in regelmäßigen Abständen wiederkehrte wie ein sehr langsamer Herzschlag. Das Dach hatte Moos. Das Mauerwerk auch. Eine Katze schlief auf dem Fenstersims und öffnete ein Auge.

Bruno blieb stehen und schaute.

Es war still, außer dem Knarzen des Rades und dem Wasser und einem Rotkehlchen irgendwo links.

Er aß sein Brot.


Der alte Igel kam aus der Mühle, als Bruno gerade fertig gegessen hatte. Er trug eine Holzkiste und kam die drei Treppenstufen vor der Tür nicht gut herunter, weil die Kiste zu breit für eine Hand war und er zu klein für zwei Treppen gleichzeitig.

Bruno stand auf.

„Darf ich helfen?"

Der Igel schaute hoch. Sah Bruno. Wurde nicht erschrocken, weil alte Igel an alten Mühlen selten erschrocken werden.

„Ja", sagte er.

Bruno nahm die Kiste. Sie war schwer. Das war gut.

Der Igel zeigte, wo sie hinging – rund um die Mühle, zu einem kleinen Schuppen. Bruno trug sie hin, stellte sie ab, und half noch dabei, die Tür zu schließen, die klemmte.

Der Igel sagte: „Danke." Und bot ihm Apfelsaft an.

Bruno sagte ja.

Sie saßen auf dem Mauervorsprung neben der Mühle und tranken. Das Mühlrad knarrte. Die Katze war vom Fenstersims verschwunden.

„Ich war noch nie hier", sagte Bruno.

„Viele kommen nicht mehr." Der Igel schaute auf das Wasser. „Schade eigentlich."


Auf dem Rückweg fand Bruno einen Stein. Er lag am Ufer, halb im Wasser, von der Strömung glattgerieben. Er war flach und beinahe rund und hatte eine Farbe, die zwischen Grau und Grün wechselte, je nachdem, wie das Licht fiel.

Er steckte ihn in die Tasche.

Illustration: Bruno allein am Fluss beim Heimgehen, einen schönen Stein in der Hand, ruhiges Strahlen im Gesicht

Abends kam er zurück, als die anderen gerade beim Abendessen saßen. Sein Mantel war nass. Er roch nach Fluss und altem Moos und ein bisschen nach Apfelsaft.

Er setzte sich hin.

„War gut", sagte er.

Banoo wollte sofort alles wissen.

Bruno erzählte – langsam, in seiner Art, mit Pausen da, wo Pausen hingehörten. Die Mühle. Das Mühlrad. Den Igel. Die Kiste. Den Stein.

Er legte den Stein auf den Tisch. Glatt, halb rund, das Grün-Grau-Spiel.

Tick hob ihn auf und schaute ihn an.

Ganosch bemerkte Brunos Gesicht.

Er sagte nichts. Er nickte einmal, kurz, fast unmerklich.

Bruno sah es.

Mehr brauchte es nicht.

Banoo

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