
Kapitel 24 - Grumbert liest
Grumbert kam im Dezember, als der erste Frost die Steine grau werden ließ und der Atem in der Luft stand. Er kam ohne Ankündigung und ohne Netz.
Er setzte sich einfach in den Burghof.
Tick sah ihn zuerst, vom Torturm aus. Sie schaute zweimal, weil sie beim ersten Mal nicht sicher war.
Grumbert saß auf dem alten Brunnenrand in der Mitte des Hofs. Den Hut auf dem Schoß. Das Handbuch daneben – aufgeschlagen, aber auf einer Seite, die leer war. Er schaute auf den Brunnen.
Banoo entdeckte ihn als Nächstes und schwebte sofort hinaus.
„Grumbert!"
„Ja."
„Kein Netz?"
„Nein."
„Sind Sie krank?"
Grumbert schaute Banoo an. „Nein. Ich sitze."
„Das ist schön."
„Das ist ein Brunnenrand."
„Trotzdem."
Mato kam nach draußen – ruhig, langsam, wie immer. Er blieb ein paar Schritte entfernt stehen und schaute Grumbert an. Grumbert schaute zurück.
„Was schreiben Sie?", fragte Mato nach einer Weile. Er zeigte auf das offene Handbuch.
„Nichts. Ich überlege."
„Worüber?"
Grumbert schaute auf die leere Seite. Er hatte einen Stift in der Hand, aber er hatte noch nichts damit gemacht.
„Ob das Kapitel über Spukstein vielleicht…" Er brach ab.
„Überarbeitet werden müsste?", sagte Mato.
Grumbert schaute ihn an. „Ich habe das so nicht gesagt."
„Nein."
Stille. Ein Dohle flog über den Hof. Der Frost knirschte unter Banoos Schwebepfad leise, was physikalisch nicht möglich war, aber bei Banoo manchmal passierte.
„Das Kapitel über Spukstein", sagte Grumbert schließlich, „beginnt mit: ‚Klasse B, mittlere Verseuchungsrate, sofortige Bereinigung empfohlen.'"
„Und?"
„Und ich glaube…" Er hielt inne. „Ich glaube, das stimmt so nicht."

Banoo drehte einen Looping.
Grumbert schaute auf und sah den Looping und sagte: „Ja, ja."
Aber er klang nicht unzufrieden.
Er blieb bis zum Nachmittag. Tick brachte Tee heraus, ohne zu fragen. Bruno brachte auch Kekse, weil er immer Kekse brachte, wenn er nicht wusste, was er sonst tun sollte.
Grumbert trank den Tee. Er aß die Kekse.
Er schrieb nichts in das leere Handbuch. Aber gegen Ende des Nachmittags legte er den Stift in den Falz der leeren Seite.
Als er aufbrach, war es schon dämmerig.
„Das Handbuch", sagte Mato, als Grumbert am Tor stand. „Die leere Seite."
„Was ist damit?"
„Manchmal muss man eine Weile schauen, bevor man schreibt."
Grumbert schaute ihn an. Dann schaute er kurz zur Tafel im Rittersaal, die durch das offene Fenster zu sehen war – die beiden Umrisse, nebeneinander.
Er sagte nichts. Er hob den Hut kurz. Und ging.
Banoo schwebte ihm bis zur Zugbrücke nach.
Er winkte. Diesmal drehte Grumbert sich um.
Er winkte zurück.
Kurz. Einmal. Mit dem Hut.
Banoo strahlte so hell, dass man ihn von Bärental aus hätte sehen können.
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